Es ist Liebe
Sie wollen hinaus. Sie bahnen sich den Weg an die Oberfläche. Brechen aus.
Heiße Tränen rinnen über deine lieblichen Wangen,
Wangen an die ich so oft die meinen presste.
Die Wegscheide. Wo entlang werden sie gehen?
Unaufhaltsam schieben sie sich voran, sie gelangen zu deinen Lippen, sprudeln über.
Jedes Wort macht dein Herz weiter und größer.
Gibt mir mehr Platz darin.
Sie
Als er erwachte, traute er seinen Augen kaum. Da stand sie vor ihm. Groß und schlank. Mit wundervoll geschwungenen Kurven. Kein Fältchen zu sehen. Lieblich stieg ihm der Duft in die Nase. Er hätte es fast nicht für möglich gehalten, dass sie noch da war. Zu oft hatte sie ihm schon übel mitgespielt.
Zur Feier des Tages ging er zum Schrank und holte ein Glas. Dann ging er zu ihr, umfasste sie sanft aber mit sicherem Griff und goss sich ein Glas ein.
AdlerWolf
Der Adler schwingt sich in die Lüfte immer höher und höher.
Der Wolf geht zum Trab über so läuft er über Wiesen und durch Wälder.
Irgendwo da draußen treffen sie aufeinander oder auch nicht.
Eins haben sie gemeinsam, jeder in seinem Element legt große Strecken zurück.
Und so sind sie so verschieden und doch gleich.
Madonna
Das Summen eines Transformators verstärkt die Stille auf dem verlassenen Industriegelände. In den Ritzen geborstener Zementplatten wachsen trockenen Grashalme, ein Licht wie in einer Lavalampe. Zeitungsreste, verrostete Getränkedosen und Kothaufen bleichen zwischen Disteln.
Die alte Spinne hat eine Fliege in ihrem Netz gefangen und triumphiert ein letztes mal.
Der Frieden im Nahen Osten, die Finanzmärkte und Madonna sind ihr egal.
Wunderschön
Sie wusste nicht, dass sie unter Beobachtung stand. Nach einem stressigen Tag, war sie zu Hause angekommen und freute sich auf ein heißes Bad. Als sie am Fenster vorbeiging, hielt sie kurz inne. Irritiert streifte sie die Bluse ab. Draußen begutachtete der Ripper sein nächstes Opfer. Wie wunderschön sie doch war. Voller Erregung dachte er an das Kommende. Diesmal würde er besser aufpassen. Noch einen Fehler würde er sich nicht erlauben. Er lachte.
Freitag
Er saß bei einer Tasse heißer Schokolade auf dem Sofa und ließ seinen Gedanken freien Lauf. War der Freitag ein Fehler gewesen? Hatte er unterschätzt, worauf er sich eingelassen hatte? Hätte er es nicht besser wissen müssen? Er sollte schnellstmöglich einen Schlussstrich ziehen...
Samstag
Schweigend saß er an diesem Morgen an seinem Schreibtisch. Sein Blick war starr und die Buchstaben verschwammen langsam vor seinen Augen. Was hatte das alles zu bedeuten, was in den vergangenen Monaten geschehen war? Wirr waren seine Gedanken; nichts war zu spüren von all der Klarheit, nach der er sich so sehnte.
Er stand auf, ging in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Jemand hatte sein Bier ausgetrunken.
Weit weg
Gedankenverloren saß er im Bus. Während die Stadt langsam erwachte, dachte er an das Wochenende Anfang des Jahres zurück. Er nahm ihren Duft war, Ihr Lachen, er spürte ihre Anwesenheit. Jäh schreckte er auf, als ihm bewusst wurde, dass er seine Haltestelle verpasst hatte. Er war zurück in der realen Welt. Die Kälte schien ihm seine Lebensgeister zu entziehen.
Ein kleines Licht
Er ging in den letzten Wochen durch eine dunkle Gasse. Er konnte kaum die eigene Hand vor Augen sehen. Seine Umwelt warf ihm Gereiztheit vor. Dabei hatte er nur andere Dinge im Kopf. Seit gestern sieht er wieder ein wenig Licht. Kleinigkeiten, so denkt er, können manchmal eine große Wirkung entfalten.
Bewußtseinsrutsche
Es war das einzig Positive: Erstmals gelang es ihm, seinen Gestalt gewordenen Ängsten fortzulaufen, wo er doch sonst immer wie gelähmt auf der Stelle verharren musste. Nur, sich umzudrehen, sie zu betrachten, ihnen ins Auge zu sehen - dazu reichte es noch nicht.
Sein Lauf war schnell, doch unkontrolliert. Der Aufprall nach dem Absturz von der Klippe ließ seinen ganzen Körper zusammenzucken. Schweiß gebadet und hastig atmend trank er einen Schluck Wasser. Bald dürfte sein Wecker klingeln.